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Trinkgewohnheiten der Kelten

Bronzener Doppelkopf zeugt von den Trinkgewohnheiten der Kelten auf dem Donnersberg Ein herausragender Fund, den ein ehrenamtlicher, von der Außenstelle der Landesarchäologie in Speyer beauftragter Detektorgänger zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Bereich der spätkeltischen Stadtanlage machen konnte, ist ein kleiner Bronzegegenstand, der figürlich ausgearbeitet ist. Auf dem spitzen Ende einer konische zulaufenden Bronzehülse ist auf der einen Seite ein Männerkopf mit maskenartigem Gesicht angebracht, dessen geradezu grimmig verzogener Mund an den Gesichtsausdruck der Maske einer keltischen Gottheit auf einem Bronzebeschlag aus dem berühmten Oppidum von Manching gemahnt. Große ovale Augen wölben sich aus ihren Höhlen, die kantige Nase geht in geschwungene, deutlich ausgeprägte Augenbrauen über, wie sie für die keltische Kunst charakteristisch sind. Zwar zeugen kleine Gussfehler und die insgesamt eher grobe Ausführung der Arbeit nicht von einem herausragenden Talent des Bronzekünstlers, doch verleihen die stark hervorquellenden Augen und der verzogene Mund der Maske eine eindrückliche und ganz individuell geprägte Lebendigkeit. Auf dem Hinterkopf der Gestalt sitzt ein plastisch ausgeformter Widderkopf, der in die entgegengesetzte Richtung blickt und schön geschwungene Hörner besitzt, von denen eines bereits alt abgebrochen war und nicht mehr aufgefunden werden konnte. Auf der linken Seite des Widderkopfes erkennt man ein großes, ebenfalls ovales Auge, welches auf der anderen Seite nicht ausgearbeitet ist. Das Fehlen des rechten Widderauges ist sicherlich auch auf ein Problem beim Guss zurückzuführen. Diese doppelte Kopfdarstellung, einmal menschlich, einmal tierisch, führte im Donnersbergkreis nach der Bekanntgabe des Fundes schnell zu der Bezeichnung „Widderkopfmännchen“.
Am weiten unteren Ende der konischen Tülle lässt sich auf der linken Seite knapp über dem Rand ein rundes Loch erkennen, in dem ursprünglich wohl ein Befestigungsniet saß. Auf der anderen Seite der Tülle ist dieser Bereich ausgebrochen; man darf aber hier sicher ein zweites Loch für einen Niet annehmen. Die ursprüngliche Verwendung der Doppelkopf-Tülle als Aufsatz auf einem Möbel oder Wagen ist nicht gänzlich von der Hand zu weisen; allerdings ist das Stück mit einer maximalen Länge von 4 cm gerade für einen Wagenaufsatz sehr klein und fragil. Die konische Form der Bronzetülle lässt vielmehr eine Ansprache als Trinkhornendbeschlag sinnvoll erscheinen. Als derartige Trinkgefäße dienten in zahlreichen Kulturen Rinderhörner, aus denen der knochige Hornzapfen entfernt worden war. Man hängte sie nach Gebrauch gerne irgendwo auf, wofür am spitzen Ende eine bronzene Hülse angebracht oder nahe der Spitze ein Ring um das Horn gelegt werden musste sowie am breiten Ende, nahe des Ausgusses des Hornes, ein breiterer Bronzering rund um das Horn. An diesen Bronzeteilen konnte dann ein Kettchen für die Aufhängung angebracht werden. Natürlich sind die Rinderhörner selbst nie erhalten, weil das Horn letztlich eine sehr verfestigte Haut darstellt, also aus organischem Material besteht; organische Materialien überdauern aber leider unter normalen Lagerungsbedingungen (mit Sauerstoffzufuhr) die Jahrtausende nie. So bleiben als Zeugnisse der Verwendung von Trinkhörnern lediglich die bronzenen Zier- und Aufhängungsvorrichtungen übrig. Die Sitte der Verwendung von Trinkhörnern wird schon von Caesar als spezifisch germanische Eigenheit erwähnt. Trinkhornendbeschläge aus germanischen Fundorten des europäischen Nordens weisen häufig ebenfalls figürlich verzierte Enden auf; dabei handelt es sich in der Regel um Darstellungen von Stier-, Widder oder Entenköpfen, die jedoch immer nur einzeln auftreten. Der Stil des Maskenkopfes auf unserer Tülle ist aber zweifelsfrei dem keltischen Kunstschaffen zuzuweisen, so dass es sich nicht etwa um einen Import aus germanischem Kontext handeln kann. Wir wissen auch aufgrund verschiedener Funde, dass in der Spätlatènezeit die Sitte der Verwendung von Trinkhörnern die keltischen Oppida erreichte. So sind beispielsweise aus dem Oppidum von Manching mehrere, allerdings sehr einfach gehaltene Trinkhornendbeschläge bekannt. Dem figürlichen Endbeschlag vom Donnersberg ist bislang kein auch nur annähernd vergleichbares Stück an die Seite zu stellen. Der singuläre „Doppelkopf“ ist neben dem Altfund eines ebenfalls mit einer menschlichen Maske figürlich verzierten Achsnagels vom Donnersberg das zweite herausragende Beispiel toreutischer Fantasie aus dem großen spätkeltischen Oppidum und lässt auf weitere Überraschungen hoffen.
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Donnersbergverein e. V. für Mensch und Natur in der Region
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Trinkgewohnheiten der Kelten

Bronzener Doppelkopf zeugt von den Trinkgewohnheiten der Kelten auf dem Donnersberg Ein herausragender Fund, den ein ehrenamtlicher, von der Außenstelle der Landesarchäologie in Speyer beauftragter Detektorgänger zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Bereich der spätkeltischen Stadtanlage machen konnte, ist ein kleiner Bronzegegenstand, der figürlich ausgearbeitet ist. Auf dem spitzen Ende einer konische zulaufenden Bronzehülse ist auf der einen Seite ein Männerkopf mit maskenartigem Gesicht angebracht, dessen geradezu grimmig verzogener Mund an den Gesichtsausdruck der Maske einer keltischen Gottheit auf einem Bronzebeschlag aus dem berühmten Oppidum von Manching gemahnt. Große ovale Augen wölben sich aus ihren Höhlen, die kantige Nase geht in geschwungene, deutlich ausgeprägte Augenbrauen über, wie sie für die keltische Kunst charakteristisch sind. Zwar zeugen kleine Gussfehler und die insgesamt eher grobe Ausführung der Arbeit nicht von einem herausragenden Talent des Bronzekünstlers, doch verleihen die stark hervorquellenden Augen und der verzogene Mund der Maske eine eindrückliche und ganz individuell geprägte Lebendigkeit. Auf dem Hinterkopf der Gestalt sitzt ein plastisch ausgeformter Widderkopf, der in die entgegengesetzte Richtung blickt und schön geschwungene Hörner besitzt, von denen eines bereits alt abgebrochen war und nicht mehr aufgefunden werden konnte. Auf der linken Seite des Widderkopfes erkennt man ein großes, ebenfalls ovales Auge, welches auf der anderen Seite nicht ausgearbeitet ist. Das Fehlen des rechten Widderauges ist sicherlich auch auf ein Problem beim Guss zurückzuführen. Diese doppelte Kopfdarstellung, einmal menschlich, einmal tierisch, führte im Donnersbergkreis nach der Bekanntgabe des Fundes schnell zu der Bezeichnung „Widderkopfmännchen“.
Am weiten unteren Ende der konischen Tülle lässt sich auf der linken Seite knapp über dem Rand ein rundes Loch erkennen, in dem ursprünglich wohl ein Befestigungsniet saß. Auf der anderen Seite der Tülle ist dieser Bereich ausgebrochen; man darf aber hier sicher ein zweites Loch für einen Niet annehmen. Die ursprüngliche Verwendung der Doppelkopf-Tülle als Aufsatz auf einem Möbel oder Wagen ist nicht gänzlich von der Hand zu weisen; allerdings ist das Stück mit einer maximalen Länge von 4 cm gerade für einen Wagenaufsatz sehr klein und fragil. Die konische Form der Bronzetülle lässt vielmehr eine Ansprache als Trinkhornendbeschlag sinnvoll erscheinen. Als derartige Trinkgefäße dienten in zahlreichen Kulturen Rinderhörner, aus denen der knochige Hornzapfen entfernt worden war. Man hängte sie nach Gebrauch gerne irgendwo auf, wofür am spitzen Ende eine bronzene Hülse angebracht oder nahe der Spitze ein Ring um das Horn gelegt werden musste sowie am breiten Ende, nahe des Ausgusses des Hornes, ein breiterer Bronzering rund um das Horn. An diesen Bronzeteilen konnte dann ein Kettchen für die Aufhängung angebracht werden. Natürlich sind die Rinderhörner selbst nie erhalten, weil das Horn letztlich eine sehr verfestigte Haut darstellt, also aus organischem Material besteht; organische Materialien überdauern aber leider unter normalen Lagerungsbedingungen (mit Sauerstoffzufuhr) die Jahrtausende nie. So bleiben als Zeugnisse der Verwendung von Trinkhörnern lediglich die bronzenen Zier- und Aufhängungsvorrichtungen übrig. Die Sitte der Verwendung von Trinkhörnern wird schon von Caesar als spezifisch germanische Eigenheit erwähnt. Trinkhornendbeschläge aus germanischen Fundorten des europäischen Nordens weisen häufig ebenfalls figürlich verzierte Enden auf; dabei handelt es sich in der Regel um Darstellungen von Stier-, Widder oder Entenköpfen, die jedoch immer nur einzeln auftreten. Der Stil des Maskenkopfes auf unserer Tülle ist aber zweifelsfrei dem keltischen Kunstschaffen zuzuweisen, so dass es sich nicht etwa um einen Import aus germanischem Kontext handeln kann. Wir wissen auch aufgrund verschiedener Funde, dass in der Spätlatènezeit die Sitte der Verwendung von Trinkhörnern die keltischen Oppida erreichte. So sind beispielsweise aus dem Oppidum von Manching mehrere, allerdings sehr einfach gehaltene Trinkhornendbeschläge bekannt. Dem figürlichen Endbeschlag vom Donnersberg ist bislang kein auch nur annähernd vergleichbares Stück an die Seite zu stellen. Der singuläre „Doppelkopf“ ist neben dem Altfund eines ebenfalls mit einer menschlichen Maske figürlich verzierten Achsnagels vom Donnersberg das zweite herausragende Beispiel toreutischer Fantasie aus dem großen spätkeltischen Oppidum und lässt auf weitere Überraschungen hoffen.
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