Erstellt mit MAGIX

Eine ganz besondere Ente...

Interessantes aus der Welt der Kelten Ein weiterer Artikel aus der Reihe „Informatives rund um den Donnersberg“ von Dr. Andrea Zeeb-Lanz über einen erstaunlichen Fund auf dem Donnersberg. Zu den Funden, die in den 2010er-Jahren von zwei ehrenamtlich für die Landesarchäologie – Speyer arbeitenden Metalldetektorgängern getätigt wurden, gehört ein zierlicher Gefäßstiel, dessen Griff rundlich umgebogen ist und in einen fein ziselierten Entenkopf mündet (Abb. 1). Der breite Entenschnabel ist korrodiert, sodass die Schnabelform nicht mehr ganz genau als solche zu erkennen ist, doch lässt sich an der Kontur noch deutlich erkennen, dass es sich hier unzweifelhaft um einen Entenschnabel handelt (Abb. 2). Der rundstabige Griff läuft an seinem anderen Ende in eine breite Stielplatte mit ausgezogenen Enden an beiden Seiten aus, an deren unterem Ende der Stiel abgebrochen ist; Vergleichsbeispiele lassen den Schluss zu, dass der Stiel hier wieder als Rundstab weitergeführt wurde, bevor er an der Sollbruchstelle zwischen breiter Platte und schmalem Stabteil zerbrach. Derartige lange Stiele gehören in aller Regel zu Schöpfkellen, für die es sowohl in der etruskischen Toreutik (Kunst der Metallbearbeitung) als auch im Fundus römischen Bronzegeschirrs mannigfaltige Vorbilder gibt (Abb. 3). Dabei zeigen viele der runden Schöpfkellen einen fast senkrecht zur Kelle verlaufenden Stiel, Exemplare mit waagerecht zum Schöpfkopf angebrachtem Haltegriff sind aber ebenfalls bekannt. Bei den Kellen mit senkrechtem Stil, deren Griff schwanenhalsartige Biegung nach hinten zeigt, soll der Wasservogelkopf möglicherweise auch einen Schwan darstellen (Abb. 4), was allerdings aufgrund des in der Regel nicht deutlich ausgebildeten typischen Schwanen-Nasenhöckers schwierig zu entscheiden ist. Die Thematik des Wasservogelkopfgriffes findet sich auch bei einer Reihe der erhaltenen römischen oder etruskischen Weinsiebe wieder, die einen mit feinen Löchern versehenen Rundboden aufweisen (Abb. 5). Diese Siebe dienten zum Schöpfen von Wein aus größeren Krügen oder Krateren; da Römer wie Etrusker ihren Wein mit Gewürzen versetzten, diente das Sieb dazu, diese Gewürze und Zutaten vor dem Genuss wieder aus dem Wein herauszufischen. Aber auch die Schöpfkellen mit ihrem geschlossenem Gefäßboden waren wohl in erster Linie für den Gebrauch bei Weingelagen gedacht. Dass die Kelten den Genuss von Wein von ihren südlichen Nachbarn übernommen hatten, wird von griechischen wie römischen Schriftstellern berichtet, die sich empört zeigten, dass die keltischen „Barbaren“ den Wein ungemischt, also ohne Wasserbeigabe, zu trinken pflegten, was sich nach römischer Sitte ganz und gar nicht gehörte. Es ist schwer zu entscheiden, ob es sich bei dem Schöpfgefäßstiel vom Donnersberg um einen etruskischen Import handelt – rege Kontakte zwischen den Kelten und der etruskischen Bevölkerung Nord-Mittelitaliens sind bereits seit dem 6. Jhd. v. Chr. nachgewiesen – oder ob ein keltischer Bronzehandwerker hier nach einem Vorbild aus Etrurien handelte. Nicht auszuschließen ist ebenso ein römischer Import oder eine römische Schöpfkelle als Muster für ein keltisches Bronzehandwerksstück. In jedem Falle – ob nun keltisches Original oder keltische Nachahmung – zeugt der Donnersberg-Schöpfkellenstiel mit Entenkopfgriff von den Kontakten, welche zur Zeit der keltischen Stadt auf dem Bergplateau von der Nordpfalz bis in die Regionen südlich der Alpen bestanden. Abb. 1: Bronzener Schöpfkellenstiel vom Donnersberg; unten: Vorderseite; oben: Rückseite; rechts: Detailansicht des Entenkopfes am Griffende. Abb. 2: Zeichnung des bronzenen Schöpfkellenstiels vom Donnersberg; Länge des fragmentierten Griffes: 18,8 cm: größte Breite der Griffplatte: 3,7 cm (Zeichnung: Jutta Winkelmann, GDKE – Speyer). Abb. 3: Beispiel einer ganz erhaltenen römischen Schöpfkelle (lateinisch: simpulum) mit waagerechtem Stiel und Entenkopfgriff.
Abb. 4: Etruskische Schöpfkelle (griechisch: kyathos) mit senkrechtem Stiel und Enten- oder Schwanenkopfgriffende.
Abb. 5: Römisches Weinsieb aus Bronze – der Stiel endet wie bei vielen Schöpfkellen in einem wie ein Entenkopf geformten Griff.

Copyright: Donnersbergverein e. V. 2024

Donnersbergverein e. V. für Mensch und Natur in der Region
Donnersbergverein e. V. für Mensch und Natur in der Region

Eine ganz besondere Ente...

Interessantes aus der Welt der Kelten Ein weiterer Artikel aus der Reihe „Informatives rund um den Donnersberg“ von Dr. Andrea Zeeb-Lanz über einen erstaunlichen Fund auf dem Donnersberg. Zu den Funden, die in den 2010er-Jahren von zwei ehrenamtlich für die Landesarchäologie – Speyer arbeitenden Metalldetektorgängern getätigt wurden, gehört ein zierlicher Gefäßstiel, dessen Griff rundlich umgebogen ist und in einen fein ziselierten Entenkopf mündet (Abb. 1). Der breite Entenschnabel ist korrodiert, sodass die Schnabelform nicht mehr ganz genau als solche zu erkennen ist, doch lässt sich an der Kontur noch deutlich erkennen, dass es sich hier unzweifelhaft um einen Entenschnabel handelt (Abb. 2). Der rundstabige Griff läuft an seinem anderen Ende in eine breite Stielplatte mit ausgezogenen Enden an beiden Seiten aus, an deren unterem Ende der Stiel abgebrochen ist; Vergleichsbeispiele lassen den Schluss zu, dass der Stiel hier wieder als Rundstab weitergeführt wurde, bevor er an der Sollbruchstelle zwischen breiter Platte und schmalem Stabteil zerbrach. Derartige lange Stiele gehören in aller Regel zu Schöpfkellen, für die es sowohl in der etruskischen Toreutik (Kunst der Metallbearbeitung) als auch im Fundus römischen Bronzegeschirrs mannigfaltige Vorbilder gibt (Abb. 3). Dabei zeigen viele der runden Schöpfkellen einen fast senkrecht zur Kelle verlaufenden Stiel, Exemplare mit waagerecht zum Schöpfkopf angebrachtem Haltegriff sind aber ebenfalls bekannt. Bei den Kellen mit senkrechtem Stil, deren Griff schwanenhalsartige Biegung nach hinten zeigt, soll der Wasservogelkopf möglicherweise auch einen Schwan darstellen (Abb. 4), was allerdings aufgrund des in der Regel nicht deutlich ausgebildeten typischen Schwanen- Nasenhöckers schwierig zu entscheiden ist. Die Thematik des Wasservogelkopfgriffes findet sich auch bei einer Reihe der erhaltenen römischen oder etruskischen Weinsiebe wieder, die einen mit feinen Löchern versehenen Rundboden aufweisen (Abb. 5). Diese Siebe dienten zum Schöpfen von Wein aus größeren Krügen oder Krateren; da Römer wie Etrusker ihren Wein mit Gewürzen versetzten, diente das Sieb dazu, diese Gewürze und Zutaten vor dem Genuss wieder aus dem Wein herauszufischen. Aber auch die Schöpfkellen mit ihrem geschlossenem Gefäßboden waren wohl in erster Linie für den Gebrauch bei Weingelagen gedacht. Dass die Kelten den Genuss von Wein von ihren südlichen Nachbarn übernommen hatten, wird von griechischen wie römischen Schriftstellern berichtet, die sich empört zeigten, dass die keltischen „Barbaren“ den Wein ungemischt, also ohne Wasserbeigabe, zu trinken pflegten, was sich nach römischer Sitte ganz und gar nicht gehörte. Es ist schwer zu entscheiden, ob es sich bei dem Schöpfgefäßstiel vom Donnersberg um einen etruskischen Import handelt – rege Kontakte zwischen den Kelten und der etruskischen Bevölkerung Nord-Mittelitaliens sind bereits seit dem 6. Jhd. v. Chr. nachgewiesen – oder ob ein keltischer Bronzehandwerker hier nach einem Vorbild aus Etrurien handelte. Nicht auszuschließen ist ebenso ein römischer Import oder eine römische Schöpfkelle als Muster für ein keltisches Bronzehandwerksstück. In jedem Falle – ob nun keltisches Original oder keltische Nachahmung – zeugt der Donnersberg-Schöpfkellenstiel mit Entenkopfgriff von den Kontakten, welche zur Zeit der keltischen Stadt auf dem Bergplateau von der Nordpfalz bis in die Regionen südlich der Alpen bestanden. Abb. 1: Bronzener Schöpfkellenstiel vom Donnersberg; unten: Vorderseite; oben: Rückseite; rechts: Detailansicht des Entenkopfes am Griffende. Abb. 2: Zeichnung des bronzenen Schöpfkellenstiels vom Donnersberg; Länge des fragmentierten Griffes: 18,8 cm: größte Breite der Griffplatte: 3,7 cm (Zeichnung: Jutta Winkelmann, GDKE – Speyer). Abb. 3: Beispiel einer ganz erhaltenen römischen Schöpfkelle (lateinisch: simpulum) mit waagerechtem Stiel und Entenkopfgriff.
Abb. 4: Etruskische Schöpfkelle (griechisch: kyathos) mit senkrechtem Stiel und Enten- oder Schwanenkopfgriffende.
Abb. 5: Römisches Weinsieb aus Bronze – der Stiel endet wie bei vielen Schöpfkellen in einem wie ein Entenkopf geformten Griff.
Impressum | Datenschutz | Kontakt

Copyright: Donnersbergverein e. V. 2024