Aktuelles und Berichte

Neues vom Berg und Verein

"Corona" schreckt Waldfreunde nicht

DIE RHEINPFALZ - NR. 64/2020

DANNENFELS: Über 70 Helfer kamen am Samstag in den Gemeindewald, um rund 500 Eichen zu pflanzen. Den Waldbestand auf drei Flächen hatten dort im letzten Jahr Borkenkäfer und Sommerhitze hinweggerafft. Mit so vielen Helfern zumal in Zeiten des grassierenden Virus hatten die Initiatoren nicht gerechnet.

Samstagmorgen auf dem Parkplatz am Donnersberg. Es ist kühl und trocken, das heißt, die Bedingungen sind gut. Revierförster Martin Teuber bläst in sein Jagdhorn und versammelt die zahlreichen Helferinnen und Helfer um sich. Ortsbürgermeister Ernst-Ludwig Huy spricht Begrüßungsworte und freut sich, dass so viele gekommen sind. Teuber schließt sich dem an, teilt mit, dass für die Aktion auch Spenden eingegangen sind und formuliert dann klare Pflanzanweisungen: Auf den vorgesehenen drei Flächen stehen bereits rote Holzpfähle;um diese herum sollen rund 25 Bäumchen in einem Quadrat von etwa Metern Seitenlänge relativ eng in den Boden gebracht werden. Eng deshalb, weil Eichen zum Wachsen „Seitendruck“ benötigen. Der Forstfachmann nennt dies „Klumpenpflanzung“. Die Tiefe des Pflanzlochs bemisst sich durch die Länge der Wurzel plus fünf Zentimeter. Mit den Worten: „Wir sind hier am Donnersberg steinreich“, weist der Förster auch gleich auf das Hauptproblem hin, nämlich die vielen Steine im Boden. Zum Ausheben sind deshalb Spaten weniger geeignet, Harken und Pickel taugen besser. Die ausgehobene Erde wird,mit Dünger vermischt, wieder ins Loch eingebracht und danach mit den Füßen etwas verdichtet. Dann wird eine Holzlatte neben dem Baum in die Erde geschlagen – dafür sind Spaten gut geeignet, viele verwenden auch einfach einen Stein. Zum Abschluss wird an der Latte eine Schutzhülle befestigt. Sie dient einmal zum Schutz der Pflanze, hilft aber auch, das Bäumchen wiederzufinden.

Wolfgang Hofmeister vom Gemeinderat hat im Vorfeld bereits rund 300 Stück aus Hasendraht zugeschnitten, die anderen sind stabile Kunststoffhüllen. Die allerwichtigste Anweisung von Teuber kommt zum Schluss: „immer mit der Wurzel nach unten pflanzen!“ Die drei Flächen liegen grob in Richtung Hirtenfels, sie werden durch einen kurzen Fußweg erwandert. Die Helfer verteilen sich und fangen eifrig an, die Anweisungen umzusetzen. Die Gruppe ist bunt gemischt: Ältere und Jüngere, Männer, Frauen und Kinder sowie zwei Migranten. Khalid Mahmoud, der aus Pakistan stammt und dort als Mathematiklehrer gearbeitet hat, sowie Riek Bol aus dem Südsudan, der in der Fußballmannschaft des TuS Dannenfels spielt.

„Mit dem Berg verbunden“

Einige Gruppierungen vom Ort sind vertreten: Die Bürgerinitiative „Pro Donnersberg“ vollzählig, der Gemeinderat fast vollzählig und der Rentnertrupp, der sich mit dem beginnenden Frühling wieder um die Dorfverschönerung kümmern wird. Die meisten Anwesenden kommen aus Dannenfels. Sowie Hans Kellermann und Familie Schwantner, denen die Natur, aber auch die Dorfgemeinschaft am Herzen liegen. Dies trifft auch auf Volker Wödl und Norbert Schäfer von der BI zu. Familie Reimann-Schreiber ist es wichtig, dass der Wald erhalten wird. Ute Lander, deren Familie früher die Tankstelle im Ort betrieb, hatte schon immer einen starken Bezug zum Berg. Ihr 22-jähriger Sohn Marc, der in Mainz studiert, formuliert es so: „Mein ganzes Leben ist mit dem Berg verbunden. Deshalb will ich ihn in der momentan schwierigen Zeit (Stichwort Waldsterben) unterstützen.“ Christiane Chuppee hebt die „Heilungskräfte“ des Waldes hervor, sowohl für den Leib als auch für die Seele. Merle Heinrich, stellvertretende Leiterin der Feuerwehr Dannenfels, bringt es auf den Punkt: „Ich bin Dannenfelserin, deshalb helfe ich mit!“ Aber es sind auch Helfer aus der Nachbarschaft da. Wie Eberhard Krezdorn aus Kirchheimbolanden, der im Donnersbergverein aktiv ist. Ein Ehepaar aus Winnweiler hat eine ganz interessante Geschichte: Georg Fischer kommt aus Bayern, seine Frau Rosina Boer aus Holland. Für beide ist der Donnersberg ihr neuer „Hausberg“, da er etwa in der Mitte ihrer Herkunftsorte steht.

Von Nachtschicht in den Wald

Aus Bolanden sind zwei Familien gekommen: einmal die Fuhrmanns – Daniel und Silvia mit den Kindern Ella, Greta und Frieda – sowie Bernd Krause mit Frau und zwei Kindern. Bemerkenswert: Bernd kam direkt aus der Nachtschicht in den Wald. Die Fuhrmanns sind als Mitglieder der PWV-Wandergruppe schon lange mit dem Wald verbunden. Sieben gestandene Männer haben eine besondere Beziehung zum Donnersberg. Sie sind Gleitschirmflieger und nutzen am Berg zwei Startpunkte, und zwar am Moltkefels (Adlerbogen) und an der sogenannten Rampe im Bärenloch. Sie gehören zwei Vereinen an: der FG (Fliegergemeinschaft) Stauf, wie zum Beispiel Martin Queck, und dem 1. Pfälzer Drachen- und Gleitschirmflieger Club wieGuido Ihlein, der von Mainz in die Nordpfalz gekommen ist. Ein anderes Mitglied hat den Weg von Hohen-Sülzen im Landkreis Alzey-Worms auf sich genommen. Sie wollen durch ihren Einsatz dem Berg, der ihnen gute Bedingungen für ihren Sport bietet, etwas zurückgeben. Nach vier Stunden ist die Pflanzaktion beendet. An der Hirtenfels-Hütte warten schon gegrillte Würstchen auf die fleißigen Pflanzer, kostenlos zur Verfügung gestellt von Marc Schottler, der in Dannenfels einen Catering-Service betreibt. Getränke, die es auch während des Einsatzes im Wald gab, hat Bürgermeister Huy gespendet. Damit klingt die Aktion an einem Rastplatz mit wunderbarer Aussicht aus. Teuber lässt nochmals sein Jagdhorn erschallen und dankt allen. Gut möglich, dass die Aktion nächstes Jahr fortgesetzt wird: Dann müssen die Bäumchen freigeschnitten werden.

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