Relikte vergangener Zeiten

Schätze verborgen im Berg

Das "Widderkopfmännchen"

von Andrea Zeeb-Lanz

Einen singulären Fund, zu dem es bislang aus der spätkeltischen Welt auch keinen direkten Vergleich gibt, stellt der bronzene Trinkhornendbeschlag dar, der nach seiner Kombination von Maskengesicht und Widderkopf in der Presse auch als das „Widderkopfmännchen“ bekannt geworden ist.

In der spätkeltischen Zeit wurde – wohl bei Feiern oder Gelagen – wieder häufiger aus Rinderhörnern getrunken, die man mit bronzenen Endbeschläge versah. Diese kappenartigen Bronzebeschläge wurden über das spitze Ende des Horns gestülpt und mittels seitlicher Nieten daran befestigt. Dazu gehörte noch ein Bronzereif am Öffnungsende des Horns. Am Endbeschlag und am Bronzereif konnte dann eine Kette befestigt werden, an der man das Horn, wenn es nicht verwendet wurde, aufhängen konnte.

Das Stück vom Donnersberg, nur 4 cm lang, weist als einziges bisher bekanntes spätkeltisches Stück eine figürliche Verzierung auf: am Ende der hohlen Kappe, die auf der Hornspitze saß und mit Nieten befestigt war, wie das erhaltene Nietloch auf der einen Seite der Kappe belegt, sitzt ein menschenartiges Maskengesicht, das den typisch grimmigen Gesichtsausdruck zeigt, wie er für keltische Masken üblich ist. Auf dieser Maske, also quasi auf dem Kopf der Gestalt, sitzt ein nach hinten gewandter, voll gegossener Widderkopf, an dem nur die Enden der gedrehten Widderhörner fehlen.

Obwohl das Stück sicher kein toreutisches Meisterwerk darstellt – das eine Widderauge ist im Guß nicht gekommen und nur als Delle im Widdergesicht erkennbar, und das Maskengesicht ist nicht symmetrisch, sondern die eine Gesichtsseite erscheint leicht verzerrt – ist es doch ein sehr originelles Stück und zeugt von der individuellen Gestaltungskraft keltischer Bronzekünstler.

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