Relikte vergangener Zeiten

Schätze verborgen im Berg

Leuker Potin Münzen

von Andreas Marz

Neben Gold-, Silber- und Bronzemünzen waren bei den Kelten auch Geldstücke aus Potin im Umlauf. Potin bezeichnet eine sehr zinnreiche Bronzelegierung, die aufgrund des hohen Zinngehaltes einen silberfarbenen Glanz aufweist und sich wegen ihrer Fließeigenschaften sehr gut für ein Gussverfahren eignet. Potinmünzen sind grundsätzlich gegossen und nicht wie die Münzen aus Edelmetall oder „normaler“ Bronze mit einem Münzstempel geprägt. Die Motive für Vorder- und Rückseite wurden in der Regel in zwei Schieferplatten geritzt und durch Gußkanäle verbunden; dann klappte man die Schieferplatten zusammen und goss die erhitzte Potinlegierung durch die Gußkanäle in die Münzform.

Besonders zahlreich sind den meisten Oppida der späten Latènezeit (2. und 1. Jahrhundert v. Chr.) die Potinmünzen der Leuker. Dieser keltische Stamm saß im heutigen Lothringen und hatte dort seinen Hauptort Tullum Leucorum (das heutige Toul). Die Tatsache, dass gerade das Kleingeld wie Potinmünzen und kleine Silbernominale hauptsächlich in den Oppida gefunden werden, ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Münzwirtschaft von den Bewohnern der großen Zentralorte getragen wurde.

Der Leuker-Potin trägt auf seiner Vorderseite den stark stilisierten Kopf eines Mannes mit Haarbinde; auf der Rückseite ist ein Wildeber mit gesträubten Rückenborsten abgebildet. Unter dem Bauch des Ebers findet sich entweder eine stilisierte Palmette, ein Dreieck mit Kugeln an den Spitzen oder ein pflanzliches Motiv. Diese Leuker-Potinmünzen hatten eine sehr weite Verbreitung und treten in den spätkeltischen Oppida auch östlich des Rheins so häufig auf, dass man davon ausgehen kann, dass dieses beliebte Kleingeld nicht nur von den Leukern hergestellt wurde. Möglicherweise sind von den zahlreichen Leuker-Potinmünzen, die auf dem Donnersberg das Gros der Münzfunde bilden, mehrere Typen auch im Donnersberg-Oppidum direkt geprägt worden. Typisch für die Leuker-Münzen ist häufig ein erhaltener Rest des Gußkanals, der als kleine Ausbuchtung an einer Seite der Münze zu erkennen ist.

Vergleicht man die Leukermünzen vom Donnersberg miteinander, so tragen sie zwar alle insgesamt die gleichen Motive – Herrscherkopf auf der Vorder-, Eber auf der Rückseite, im Detail variieren die verschiedenen Münzen aber deutlich. Mal ist der Männerkopf noch gut als solcher erkennbar, mal ist er stark stilisiert. Sehr variantenreich sind auch die Ausprägungen des Ziermotivs unter dem Bauch des Ebers; letzterer kann nach links oder nach rechts blicken. Diese vielen Varianten der Leuker-Potinmünzen sind neben der Häufigkeit des Auftretens dieses Münztyps ein weiteres Argument für die Herstellung des Kleingeldes nicht nur bei den Leukern selbst, sondern auch in den Hauptorten anderer Keltenstämme.

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