Relikte vergangener Zeiten

Schätze verborgen im Berg

Achsnagel

von Andrea Zeeb-Lanz

Das am besten bekannte Fundstück vom Donnersberg – und mittlerweile ein Wahrzeichen für die vorrömische Geschichte der Region – ist der figürlich verzierte keltische Achsnagel. Er diente dazu, das Rad eines Wagens auf der Achse zu fixieren, also zu verhindern, dass das Rad von der Achse herunterrutscht. Zu diesem Zweck wurde durch die Radachse, auf die die beiden Räder aufgeschoben waren, am jeweiligen Ende ein Loch gebohrt, durch welches ein senkrechter Splint geschoben werden konnte, der dann als Stopper für das Rad diente. Das untenstehende Beispiel eines Rades verdeutlicht die Funktion des Achsnagels.

Der figürliche Achsnagel besteht aus drei Teilen. Zentrales Element ist ein Eisenstab, auf den unten eine gegossene profilierte Bronzehülse aufgeschoben ist. Auf das obere Ende wurde ebenfalls eine gegossene Bronzehülse aufgesetzt, die figürlich ausgearbeitet ist. Sie zeigt ein maskenartiges Gesicht mit einer Art halbrunder „Krone“. Der „grimmige“ Ausdruck des Maskengesichts ist von zahlreichen Maskenfibeln und auch Möbelbeschlägen bekannt; er stellt offenbar einen charakteristischen Gesichtszug mythischer Figuren der keltischen Welt dar. Die halbmondförmige Bekrönung des Kopfes ist in dieser Ausführung bisher eine Ausnahme, doch sind besondere Hauben, wohl ein Zeichen für göttliche oder heilige Personen, bereits seit der früheren Keltenzeit bekannt.
Dass der Achsnagel vom Donnersberg keinen normalen Ochsenkarren, sondern ganz sicher ein besonderes Gefährt, vielleicht sogar kultischen Zwecken vorbehalten, zierte, steht außer Frage. Dieser maskenverzierte Achsnagel vom Donnersberg ist ein ganz besonderes Stück, zu dem es keinen direkten Vergleich gibt, wenngleich einige wenige mit menschenartigen Gesichtern verzierte Achsnägel aus der keltischen Welt bekannt sind. Der Donnersberg-Achsnagel zeigt aber eine ganz individuelle künstlerische Ausprägung, wie sie typisch für die keltische Kunst sind.

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