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Das Widderkopfmännchen

Das hätte sich der erst neu als ehrenamtlicher Unterstützer der archäologischen Denkmalpflege für den Donnersberg gewonnene Heiko Scheuermann aus Rothselberg nicht träumen lassen – dass er gleich bei seiner ersten offiziellen Begehung des spätkeltischen Oppidums auf dem Donnersberg (ca. 130 – 60/50 v. Chr.) fündig werden sollte – und zwar gleich mit einem aufsehenerregenden keltischen Artefakt. Er erkannte aber sofort, dass der kleine Bronzegegenstand, den er im Siedlungsgelände

der Kelten innerhalb der großen Wallanlage auf dem Bergplateau gefunden hatte, etwas  sein müsste. Diese Einschätzung wurde von der zuständigen Archäologin der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Direktion Landes-archäologie, Aussenstelle Speyer denn auch umgehend bestätigt.

Wenige Tage später war der Fund bereits in der Restaurierungswerkstatt der Denkmalpflege in Speyer, angekommen, wo er vorsichtig konserviert wurde. Es handelt sich dabei um eine kleine, 3 cm lange konische Bronzetülle, an deren unterem, breiteren Ende an der linken Seite noch die obere Hälfte eines exakt runden Loches erkennbar ist – die andere Seite ist in diesem Bereich bereits ausgebrochen. Figürlich oder auch mit pflanzlichen Motiven verzierte Tüllen wurden als Möbelbesätze oder vielfältig genutzte Zierteile in der keltischen Welt gerne verwendet. Der obere Abschluss der Bronzetülle vom Donnersberg zeigt nun eine ganz ungewöhnliche Darstellung: Auf der einen Seite schaut den Betrachter ein menschliches Gesicht mit grimmig verzogenem Mund, großen, tief liegenden, aber herausgewölbten Augen und kleiner Nase an. Die stark geschwungenen Augenbrauen verleihen der Augenpartie einen sehr individuellen Ausdruck. Auf der Stirn trägt diese – aufgrund der Ausprägung der einzelnen Gesichtspartien sehr maskenhaft wirkende Figur einen einfachen Reif. Dem starren, eindrücklichen Gesichtsausdruck kann sich der Betrachter kaum entziehen. Auf dem Hinterkopf der menschlichen Maske - und das ist das gänzlich aussergewöhnliche an der figürlichen Darstellung – sitzt ein voll gegossener Widderkopf mit zwei geschwungenen Hörnern, die ursprünglich wieder nach vorne gedreht waren. Eines der Hörner ist kurz hinter der Windung, das andere bereits im Ansatzbereich abgebrochen; die fehlenden Teile konnte H. Scheuermann trotz akribischer Nachsuche allerdings nicht finden. Da die Bruchstellen aber deutlich auf alte Brüche hinweisen, ist es gut möglich, dass der figürlich verzierte Aufsatz überhaupt erst in den Boden kam, als die Hörnerenden bereits abgebrochen waren und sich deshalb auch gar nicht an der Fundstelle befinden können.

Das linke Auge des Widders ist im Guss nicht richtig gekommen und nur als schwache Delle erkennbar. Insgesamt verweist die gesamte figürliche Ausgestaltung des Endbeschlages darauf, dass hier sicherlich nicht einer der "Großmeister keltischer Kunst" am Werke war – man möchte hier eher an ein lokales Produkt eines hier heimischen Bronzegießers denken, der zwar vielleicht nicht zu den Meistern seiner Zeit gehört haben dürfte, aber doch ein Bronzekünstler mit ganz eigenen, individuellen Ideen war. Dass die Verwirklichung ganz individueller Einfälle des einzelnen Toreuten in keltischer Zeit durchaus keine Seltenheit war, belegen die vielen singulären Bronzeschmuckstücke oder Verzierungen, die uns aus dieser Epoche überliefert sind.

Das Einer der „Starfunde“ der letzten Jahre: Ein figürlich ver-zierter Trinkhornendbeschlag aus Bronze.

Die Zweckbestimmung dieses einzigartigen Fundstückes ist aufgrund der konischen Tüllenform, des Nietloches und der figürlichen Verzierung eindeutig festzulegen: Es handelt sich um den Beschlag eines Trinkhornes, für das ein Rinderhorn, aus dem der Hornzapfen entfernt worden war, verwendet hatte. Der Beschlag wurde auf die Spitze des Hornes aufgesetzt und mit zwei Bronzenieten befestigt.

Die Sitte, Rinderhörner als Trinkgefäße zu nutzen, reicht bereits bis in die Bronzezeit zurück. Während am Ende der Frühlatènezeit die Nutzung von Trinkhörnern – bei feierlichen Anlässen und Gelagen – langsam "aus der Mode" kam, wurde diese in der Spätlatènezeit wieder aufgenommen. Aus dem großen Oppidum von Manching kennen wir eine ganze Reihe von Trinkhornendbeschlägen, die allerdings jegliche figürliche Zier vermissen lassen – am Ende der Bronzetülle sitzt in der Regel ein knopfartig gestalteter Abschluss. Aus der spätkeltischen Welt ist bislang kein dem "Widderkopfmännchen" – so wurde der Beschlag unverzüglich von der Lokalpresse betitelt – vergleichbarer Endbeschlag bekannt. Dieser einzigartige Fund vom keltischen Donnersberg wirft ein Schlaglicht auf die herausragende Stellung dieser spätkeltischen Stadtanlage und vermittelt einen guten Eindruck vom individuell geprägten Kunstschaffen der Kelten in unseren Breiten.


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